Erinnerungskulturen - Dialoge über Migration und Integration in Tirol

Migrationsgeschichte in Tirol. Sammeln – archivieren – vermitteln.

Im Jahr 2014 initiierte das Zentrum für MigrantInnen in Tirol das Projekt „Erinnerungskulturen“ mit dem Ziel, Geschichte(n) der Migration zu sammeln, zu dokumentieren und dafür zu sensibilisieren. Es wurden erste Interviews mit ZeitzeugInnen geführt, Gemeinden und Vereine von MigrantInnen kontaktiert und Erzählcafés durchgeführt. Das Vorhaben wurde von Beginn an inhaltlich und finanziell von den Integrationsabteilungen des Landes Tirol und der Stadt Innsbruck mitgetragen. Weitere wichtige KooperationspartnerInnen waren und sind das Institut für Zeitgeschichte der Universität Innsbruck und das Tiroler Bildungsforum. Insbesondere das Institut für Zeitgeschichte hat mit zahlreichen Projekten, Veröffentlichungen und Veranstaltungen in den letzten Jahren einen wesentlichen Beitrag zur Neu-/Positionierung des Themas in Tirol und Österreich geleistet.

ZeMiT und PartnerInnen
Daraus entwickelte sich eine Kooperation zwischen dem ZeMiT und den Tiroler Landesmuseen. In einer mehrjährig angelegten und nachhaltigen Initiative setzen sich die beiden Einrichtungen gemeinsam mit den KooperationspartnerInnen mit der Migrationsgeschichte Tirols auseinander. Ziel ist es, die Bedeutung der Migration für die Tiroler Gesellschaft, Kultur und Wirtschaft sichtbar zu machen. Außerdem soll durch die Aktivitäten das Museum – als Ort regionaler Identität – gerade für Menschen mit Migrationsgeschichte attraktiv werden.

Den Auftakt zur intensiven Beschäftigung mit der Migrationsgeschichte Tirols macht die Ausstellung „Alles fremd – alles Tirol“ (ab 22.4.2016 im Tiroler Volkskunstmuseum). Mit einem Sammelaufruf laden das ZeMiT und die Tiroler Landesmuseen die Tiroler Bevölkerung ein, Objekte, die in Zusammenhang mit dem Thema Zuwanderung stehen, für das Dokumentationsarchiv Migration Tirol zur Verfügung zu stellen. Eine Auswahl davon wird 2017 in einer Ausstellung mit dem Fokus auf Arbeitsmigration im Volkskunstmuseum gezeigt.

Mit Workshops, Erzählcafés, Erinnerungswerkstätten und einer partizipativen Veranstaltungsreihe zu den Themen Migration, Flucht und Zugehörigkeiten (2018, Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum) möchten die Kooperationspartner den interkulturellen Dialog fördern sowie Objekte der Migration und Lebensgeschichten von MigrantInnen aufspüren.

WARUM GESCHICHTE DER MIGRATION SAMMELN?

Als so genannte GastarbeiterInnen wurden Personen aus der Türkei und dem ehemaligen Jugoslawien zuerst angeworben, dann kamen sie auch auf eigene Initiative. Den Boden bereiteten die von Österreich mit Spanien (1962), der Türkei (1964) und der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien (1966) abgeschlossenen Anwerbeabkommen. Auf Wunsch vieler Tiroler Unternehmen und auch aus eigenem Interesse blieben viele der Zugewanderten im Land, soweit die Gesetze dies zuließen. Sie holten ihre Familien, Bekannten und KollegInnen nach. Ihnen folgten Menschen aus vielen anderen Ländern der Welt. Migration hat die Gesellschaft, Kultur und Wirtschaft in Tirol entscheidend geprägt und verändert. Österreich wurde zu einem Einwanderungsland.

Von dieser Migrationsgeschichte ist jedoch wenig in den Sammlungen und Depots von Museen und Archiven zu finden. Die Geschichte der Migration zu sammeln, aufzubewahren und weiterzugeben ist aber ein wichtiger Baustein für den Zugang der Bevölkerung zur Geschichte Tirols und für die Anerkennung von MigrantInnen als Teil der Gesellschaft. Darüber hinaus hilft ein verändertes Geschichtsbewusstsein dazu, Vorurteile, Rassismen und Diskriminierung abzubauen. Es trägt zu einem respektvollen Umgang und einem friedlichen Zusammenleben bei.

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BRINGEN SIE IHRE ERINNERUNGSSTÜCKE VORBEI UND ERZÄHLEN SIE IHRE GESCHICHTE.

Weitere Informationen unter: www.wirsammelnmigration.at 

Projektdauer: Jänner 2014 - laufend

AnsprechpartnerInnen:  Christina Hollomey-Gasser und Gerhard Hetfleisch (ZeMiT)

KooperationspartnerInnen: Tiroler Landesmuseen/ Tiroler Volkskunstmuseum, Amt der Tiroler Landesregierung, Abt. JUFF – Fachbereich Integration, Stadt Innsbruck – MAIII – Stadtplanung, Stadtentwicklung und Integration, Tiroler Bildungsforum – Verein für Kultur und Bildung, Universität Innsbruck – Institut für Zeitgeschichte

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Derzeit wird das Projekt aus Mitteln des Landes Tirol und der Stadt Innsbruck finanziert.

Einige Ergebnisse des Projektes

pdfProjektbericht Erinnerungskulturen2.77 MB

2014

Die 5. Tiroler Integrationsenquete zum Thema "erinnern - verstehen - anerkennen" fand am 30. Oktober 2014 in Zusammenarbeit mit dem Projekt Erinnerungskulturen statt. Die Veranstaltung wurde von Radio Freirad dokumentiert. Alle Audiodateien sind unter folgendem Link hörbar: http://cba.fro.at/series/5-tiroler-integrationsenquete

Tiroler Chronist zum Thema Arbeitsmigration im Dezember 2014 erschienen

Tiroler Chronist 133 smallDie Zeitschrift "Tiroler Chronist", herausgegeben vom Tiroler Bildungsforum, widmete sich im Dezember 2014 (Ausgabe 133) erstmals gänzlich dem Thema Migration in Tirol im 20. Jahrhundert.

 

Sie können ein Exemplar des Tiroler Chronist im ZeMiT anfordern: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!">

 

 

 

 

Erinnerungskulturen Lebensbaum webBiographiearbeit und Erzählcafe an der Schule

Im Juni 2015 fanden im Rahmen des Projekts Erinnerungskulturen Schulworkshops statt, in denen sich SchülerInnen und Jugendliche mit sich selbst und dem Thema Migrationsgeschichte in Tirol auseinandersetzen konnten. Die neu erarbeiteten Biografie- und Erzählcafes bauten auf den Erfahrungen des Methodensets "Diversity4Kids" auf und wurden mit zwei Klassen der NMS Wilten und NMS Jenbach erprobt.

Hier ein Bericht vom Besuch and der Praxis-NMS der PHT in Innsbruck.

pdfProjektflyer Erinnerungskulturen

2014 wurde das Projekt aus Mitteln des EIF, des Landes Tirol, der Stadt Innsbruck und des Städtebundes/ Landesgruppe Tirol finanziert.

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Von Jänner 2015 bis Juni 2015 wurde das Projekt aus Mitteln des BMEIA, des Landes Tirol und der Stadt Innsbruck finanziert.

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