jung - zuagroast - arbeitslos
Tagung zum Thema Jugendliche mit Migrationshintergrund:

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Vorträge zu Chancengleichheit und sozialer Welt
Workshops zu Lebenswelten von jungen Frauen

Donnerstag, 8. November 2007
9 bis 17 Uhr
Haus der Begegnung, Rennweg 12, Innsbruck

Eine der wichtigsten Säulen der Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund ist der gelungene Einstieg in den Arbeitsmarkt und Karrierechancen in einem frei gewählten Beruf. Die Unterschiede zu einheimischen Jugendlichen sind aber gravierend. Wir ziehen einen überregionalen Vergleich, benennen die zu überwindenden Hürden und diskutieren Lösungsansätze.

Die Workshops setzen einen Schwerpunkt auf die Situation junger Frauen und zeigen die Lebenswelten der Jugendlichen auf. So erarbeiten wir uns ein besseres Verständnis von Fragen der Identität, (struktureller) Gewalt, Sexualität und den Möglichkeiten interkultureller Mädchenarbeit.

PROGRAMM:

9.00 Uhr Eröffnung
Landeshauptmann-Stellvertreterin Dr Elisabeth Zanon, VertreterInnen des AMS Tirol und der veranstaltenden Organisationen

9.30 Uhr Vortrag: jung - zuagroast - arbeitslos: Die soziale Lage von Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Europa und Österreich
Mag.a Barbara Herzog-Punzenberger (Institut für Europäische Integrationsforschung an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften)

11.00 Uhr Präsentation aktueller Studien: Gleiche Chance auf Arbeitslosigkeit?
Dr. Ali Ordubadi (Diversity Manager im AMS Wien für Jugendliche
MMag.a Eva Heckl (KMU Forschung Austria)
Dr. Karin Klocker (AMS Tirol)

Statements aus dem Publikum und von VertreterInnen aus Politik, Wirtschaft und NGO

13.00 Uhr bis 14.30 Uhr
Empfang durch das Land Tirol mit Buffet - informeller Austausch

14.30 Uhr bis 17.00 Uhr Vier Workshops
Lage von Mädchen und jungen Frauen mit Migrationshintergrund
Referentinnen: DSA Verena Ruetz (Frauen aus allen Ländern), Sabine Ziegelwanger (Sexualpädagogin und Jugendberaterin), Georgia Sever (Peregrina), Aygül Aslan und Filiz Calayir (ZeMiT)
Workshopsthemen: Migration & Geschlechterrollen, Generationenkonflikt, Partizipation, Gewalterfahrung, Diskriminierung & Sexismus, Mädchennetzwerke, Arbeitsmarkt

14.30 Uhr bis 17.00 Uhr Film mit Diskussion
Film "jung – zuagroast – arbeitslos" mit Diskussion zum Film und den Tagungsthemen
Leitung: Mag.a Verena Finkenstedt (Filmemacherin) und Dr. Gerhard Hetfleisch (ZeMiT)

Die Teilnahme an der Tagung ist kostenlos.

Die Plakatkampagne "un-möglich?!" begleitet die Tagung und ist im Vorfeld in Innsbruck sichtbar

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WORKSHOPS:

WS 1: Gewalt gegen Migrantinnen: Strukturelle Beschränkungen und Wege aus der Gewalt
WS-Leiterin: DSA Verena Ruetz

Zur Einführung in die Thematik wird eine kurze Zusammenfassung zu Gewalt gegen Frauen und den Initiativen und Interventionen zum Schutz vor Gewalt, die seit der beginnenden Enttabuisierung in den 1970er Jahren geschaffen wurden, gegeben.
Migrantinnen sind neben der Gewalt in privaten Beziehungen verstärkt von institutionalisierter/struktureller Gewalt betroffen, die in Form von Fremdengesetzen, Abhängigkeiten vom Ehemann und Behörden, beschränktem Zugang zu Sozialleistungen und mangelnden Chancen am Arbeitsmarkt Wege aus Gewaltbeziehungen erschweren und verschiedene Gewaltformen begünstigen.
Österreich hat 1997 das Gewaltschutzgesetz gegen häusliche Gewalt geschaffen, welches international sehr beachtet wurde und auch zum Vorbild für andere Länder wurde. Heuer feiern wir das 10 Jahr Jubiläum und gehen gemeinsam der Frage nach, inwieweit Migrantinnen im Rahmen dieses Gesetzes Schutz und Unterstützung erfahren und welche Probleme bestehen. Neben dem Impulsreferat werden gemeinsam Fallbeispiele, Handlungsmöglichkeiten und Probleme im Gewaltschutz von Migrantinnen mit den TeilnehmerInnen diskutiert.

WS 2: Zwischen den Welten - Sexualpädagogik und –beratung mit Migrantinnen der zweiten Generation
WS-Leiterin: Sabine Ziegelwanger

Wir leben heute in einer pluralisierten Gesellschaft, die sich durch eine Vielfalft an Lebensweisen auszeichnet. Diese unterschiedlichen Lebensweisen sind geprägt von spezifischen Einstellungen, Umgangsformen, Rollenbildern, Normen, Werten und manchmal auch Mythen zum Thema Sexualität.
Junge Migrantinnen befinden sich nun zwischen den Welten: zwischen einer scheinbar „individualisierten“ Gesellschaft, die ein freies, grenzenloses sexuelles Leben propagiert - und – ihrer „traditionellen“ Umwelt, in der sie mit mehr oder weniger starken Rollenzuschreibungen und normativen Erwartungshaltungen konfroniert werden – so würde es zumindest ein erster stereotyper Blick zusammenfassen.

Im Workshop werde ich zunächst eine kurze theoretische Einführung über (sexuelle) Lebenssituation junger Migrantinnen geben. Je nach den Bedürfnissen der TeilnehmerInnen (deren Arbeitsbereichen), werden folgende Fragen erarbeitet: Wie gehen junge Migrantinnen mit diesem „Dazwischen-Sein“ um? Welche spezifischen Themen/Probleme beschäftigen die jungen Mädchen? Wie kann ich im pädagogischen bzw. beraterischen Kontext am besten vorgehen? D.h. welche Kompetenzen sind meinerseits erforderlich, ohne Gefahr zu laufen, vorurteilsbeladen und kontraproduktiv zu agieren? Wohin könnte ich die Mädchen bei (sexuellen) Problemen schicken? Der Fokus wird auf Österreich (Großraum Wien) gelegt.

WS 3: Geschlechterrollen und Identitätskonflikte in der Migration
WS-Leiterin: Georgia Sever

Die Assoziation, die das Stichwort Migrantin – oder nennen wir es beim Namen, junge Frau aus der Türkei, erweckt, beschränkt sich zunehmend auf Kopftuchzwang und Zwangsverheiratung. War früher die Reaktion auf das Herkunftsland Türkei ein small talk über Urlaub und Wetter, kommt mittlerweile allzu schnell die Frage: Bist du auch zwangsverheiratet? Ausgeblendet und vergessen wird hierbei die große Gruppe von jungen Frauen, die einen egalitären Rollenwandel durchmachen und dabei mit weniger extremen aber genauso ernstzunehmenden Problemen zu kämpfen haben.

WS 4: Interkulturelle Mädchenarbeit - Aliye im Niemandsland
WS-Leiterinnen: Aygül Aslan und Filiz Calayir

Es soll eine weite Welt für Mädchen geschaffen werden, in der sie den Weg zu sich selber finden und in der sie Stärken und Schwächen kulturbedingter Verhaltens- und Handlungsstrategien und auch deren Unterschiede erkennen. Welche Methoden sollen angewendet werden, um Mädchen in Arbeitswelt, Ausbildung, Familienleben und im sozialen Umfeld zu motivieren und zu fördern? Interkulturelle Mädchenarbeit ist präventive Arbeit. Sie dient zur Korrektur der gesellschaftlichen Lücken und zur Verhinderung der Verschleierung der talentierten jungen Menschen. Wie kann man Selbstsicherheit und Selbstachtung ohne fremdbestimmte Wertmaßstäbe fördern? Die Lebenskonzepte der Mädchen setzten sich aus verschiedenen Portraits, Normen und Lebensweisen einer multikulturellen Gesellschaft zusammen. Interkulturelle Mädchenarbeit will die Lebenslage der Mädchen verbessern und darauf abzielen, Chancengleichheit herzustellen und den jungen Frauen einen Horizont für ein selbstbestimmtes Leben zu eröffnen.

REFERENTINNEN:

Mag.a Barbara Herzog-Punzenberger
punzenberger_web studierte an der Universität Wien Kultur- und Sozialanthropologie und absolvierte den postgradualen zweijährigen Vollzeitlehrgang „Politikwissenschaft“ am Institut für Höhere Studien in Wien. Seit über einem Jahrzehnt im Bereich der Migrationsforschung tätig. Im Studienjahr 2002/2003 als Gastwissenschafterin an der University of Calgary in Kanada. Arbeitet seit 2002 in dem 8-Länder-Forschungskonsortium TIES "The Integration of the European Second Generation" und derzeit im Rahmen des FWF-Projektes "Die Integration der europäischen Zweiten Generation“ am Institut für Europäische Integrationsforschung an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

MMag. Eva Heckl
heckl studierte Politikwissenschaft, Französisch, Philosophie und Volkswirtschaft in Wien und ist als Projektleiterin bei der KMU FORSCHUNG AUSTRIA vorwiegend in den Bereichen Arbeitsmarkt- und Evaluierungsforschung tätig, in denen sie zahlreiche Projekte für nationale und internationale Auftraggeber durchgeführt hat. Der Fokus ihrer Arbeit liegt in der Analyse der Situation diskriminierter Gruppen am Arbeitsmarkt (z.B. Behinderte, MigrantInnen, Frauen, Jugendliche).

Dr. Ali Ordubadi
ordubadi geb. 1950 in Iran/Maschhad; Ausbildung: Volksschule und Gymnasium in Iran/Maschhad, Studium an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien; Berufslaufbahn: Gerichtspraxis beim Landesgericht Wien. seit 1991 in verschiedene Abteilungen in der Landesgeschäftsstelle des Arbeitsmarktservice Wien

(Eva Heckl und Ali Ordubadi haben im Sommer die Studie „Analyse der KundInnengruppe Jugendliche mit Migrationshintergrund am Wiener AMS Jugendliche“ vorgestellt.)

Dr. Karin Klocker
klocker ist stellvertretende Landesgeschäftsführerin des AMS Tirol. Während und nach ihrem Studium an der Berufspädagogischen Akademie sowie dem anschließenden Studium der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften (Promotion 2002 zum Thema Politik des Gender Mainstreaming und ihre nationalstaatliche Umsetzung im europäischen Kontext) konnte Karin Klocker zahlreiche Erfahrungen im Wirtschafts- und im Bildungsbereich sammeln. Neben ihrer Tätigkeit beim AMS Tirol ist Karin Klocker auch Mitglied in verschiedenen Gremien (Bewerbungskommission am MCI, Kollegium des Landesschulrats für Tirol) und war als selbständige Wirtschaftsberaterin tätig.

WORKSHOPLEITERINNEN:

DSA Verena Ruetz
ruetz geb. 1978, Diplomsozialarbeiterin, mehrjährige Berufserfahrung in der Mädchenarbeit, Gründungs- und Obfrau von Frauen aus allen Ländern. Kultur-, Bildungs- und Beratungsinitiative, seit 2003 Studium der Kultur- und Sozialanthropologie und Gender Studies an der Universität Wien, Diplomarbeitsprojekt zum Thema "Staatliche Interventionen bei Gewalt gegen Migrantinnen"

Sabine Ziegelwanger
ziegelwanger Studium der Soziologie und Anglistik an der Universität Wien: Endphase der Diplomarbeit zum Thema: "Über die Praxisrelevanz sexualpädagogischer Theorien am Beispiel des Projekts First Love Mobil". Arbeitsfelder: Sexualpädagogische bzw. –beraterische Projekte: Mitaufbau des sexualpädagogischen StudentInnenprojekts www.achtungliebe.at; Mitarbeiterin bei "First Love Mobil"; Mitarbeiterin bei "Lovetour-NÖ" (www.lovetour-noe.at); Wissenschaftliche Forschung: Derzeit Durchführung einer Studie über mögliche Einflussfaktoren des Verhütungsverhaltens von Mädchen/Klientinnen der "First Love Ambulanz"; Universitäre Lehre: SS2006/07: PS an der Univeristät Innsbruck/Fakultät für Erziehungswissenschaften zum Thema "Grundlagen und aktuelle Tendenzen in der sexualpädagogischen Arbeit mit Jugendlichen".

Georgia Sever
sever seit 2002 Seminarleitung, Moderation und Vorträge zu den Themen Migration, Integration und Sexualität
seit 1996 Rechts-, Sozial- und Sexualberaterin für Frauen aus der Türkei und aus arabischen Ländern (Orient Express und Peregrina)
Ausbildungen: Lebens- und Sozialberaterin, Sexualpädagogin – GAMED; Lehrgang der Master of Business Administration: Sozialmanagement, WU Wien; Ausbildung zur psychosozialen Begleithelferin an der Psychosozialen Akademie der Psychosozialen Dienste in Wien; Grundausbildung Frauenberatung (Netzwerk österreichischer Frauen- und Mädchenberatungsstellen)

Aygül (Berivan) Aslan
aslan 25 Jahre, Kurdin, studiert Rechts- und Politikwissenschaften an der Universität Innsbruck; neben dem Studium Mitwirkung in unterschiedliche Integrations -, Kultur- und Sozialprojekten; Arbeitsschwerpunkt: Mädchen und Frauen; Mitarbeit beim im Equal Projekt JOIN IN (Koordination Mädchennetzwerk und Weiterbetreuung desselben im ZeMiT); dzt. MigrantInnenberatung beim ZeMIT; weiters Mitarbeit bei den Projekten Future und ARANEA

Filiz Calayir
geboren 1969 in Ankara, lebt seit 1980 in Österreich, österreischische Staasbürgerschaft, Mutter eines Kindes, 5 Jahre Pflichtschule in der Türkei, 2 Jahre Volksschule und 2 Jahre Hauptschule und eine abgeschlossene Friseurlehre in Österreich, seit 1989 Beraterin im Zentrum für MigrantInnen in Tirol (ZeMiT)

VERANSTALTER:

Die Tagung findet im Rahmen des EU-Projektes Future statt. ExpertInnen aus Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Österreich werden in Innsbruck zu Gast sein und ebenfalls an der Tagung teilnehmen. Organisiert wird die Tagung "jung – zuagroast – arbeitslos" von ZeMiT (Zentrum für MigrantInnen in Tirol) gemeinsam mit AMS Tirol, Haus der Begegnung, Asylkoordination Österreich, Gesellschaft für politische Bildung. Mit freundlicher Unterstützung durch das Land Tirol.


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