Die AST-Beratung (Anlaufstelle für Personen mit im Ausland erworbenen Qualifikationen) im ZeMIT hat einen klaren Auftrag: Wir unterstützen Menschen dabei, ihre im Ausland erworbenen Diplome und Berufsausbildungen in Österreich verwertbar zu machen. Es geht darum, Bildungswege sichtbar zu machen und Fachkräfte davor zu bewahren, unter ihrem Qualifikationsniveau arbeiten zu müssen. Dass unsere Klientel zu einem Großteil aus Akademiker:innen besteht, ist dabei kein Zufall, sondern spiegelt die strukturelle Notwendigkeit unserer spezialisierten Beratung wider. Die Beratung wird vom Sozialministerium finanziert. Ein Beitrag von Andrea Moser.
Beratung dort, wo sie gebraucht wird Um diese Unterstützung flächendeckend anzubieten, ist das ZeMIT nicht nur an den Standorten Innsbruck, Feldkirch und Bregenz präsent. Durch regelmäßige regionale Sprechstunden – von Landeck über Reutte bis Lienz – stellen wir sicher, dass qualifizierte Beratung keine Frage des Wohnorts ist. Im Jahr 2025 verzeichneten wir insgesamt 1.230 Ratsuchende, für die wir 1.465 persönliche Beratungsgespräche sowie 1.885 zusätzliche Kontakte via Telefon und E-Mail durchgeführt haben.
Sandra Ivanovic, AST-Leiterin in Tirol und Vorarlberg: „Über 1.000 der Ratsuchenden bringen akademische oder höhere Qualifikationen mit nach Tirol und Vorarlberg. Darin liegt ein riesiges Potenzial – sowohl für den heimischen Arbeitsmarkt als auch für die individuellen Lebensverläufe der Betroffenen. Es ist mir ein großes Anliegen, aufzuzeigen, welch tiefgreifende Bedeutung es für jeden Einzelnen und seine Familie hat, in der eigenen Profession arbeiten zu können, anstatt in der Dequalifizierung festzustecken.“
Die Zahlen 2025 im Blick
Ein Blick auf die Statistik verdeutlicht das hohe Potenzial, das die Ratsuchenden mitbringen: 58,5 % der Klient:innen verfügen über einen akademischen Abschluss, weitere 26,3 % haben eine höhere Ausbildung absolviert. Zusammen sind das fast 85 % hochqualifizierte Fachkräfte. Die Verteilung der Wohnsitze zeigt mit 754 Personen in Tirol und 460 in Vorarlberg die Bedeutung für den gesamten westösterreichischen Raum. Die häufigsten Herkunftsländer waren 2025 Syrien, die Ukraine und – oft zwecks Validierung von Auslandsstudien – Österreich, gefolgt von Bosnien und Herzegowina sowie Rumänien.
Ein Blick über Tirol und Vorarlberg hinaus zeigt, dass diese Entwicklung kein regionales Phänomen ist. Österreichweit beraten die fünf AST-Anlaufstellen mit derzeit 34 Berater:innen Menschen mit im Ausland erworbenen Qualifikationen zu Fragen der Anerkennung und beruflichen Verwertbarkeit. Die bundesweiten Daten bestätigen das Bild aus Tirol und Vorarlberg: Mehr als 60 % der Ratsuchenden sind Frauen, über 60 % verfügen über eine akademische Ausbildung und ebenfalls über 60 % kommen aus Drittstaaten. Gleichzeitig ist ein großer Teil der Klient:innen relativ jung – rund 60 % sind unter 40 Jahre alt. Die häufigsten Herkunftsländer der Ratsuchenden waren 2025 die Ukraine, Syrien, Rumänien, Ungarn und Bosnien und Herzegowina.
Wenn das Diplom zur Sackgasse wird: Ein Fallbeispiel
Was diese Zahlen in der Realität bedeuten, zeigt die Geschichte von Frau Y. Als Juristin war sie in der Türkei fest im öffentlichen Dienst etabliert. Der Weg nach Österreich – über die Familienzusammenführung – führte sie beruflich jedoch ins Nichts. Trotz Deutschkenntnissen auf B1-Niveau steht sie vor einer unüberwindbaren Mauer: Ihr Beruf ist reglementiert. Da die Übereinstimmung der Studieninhalte unter 75 % liegt, scheitert die Nostrifizierung. Für Frau Y. bedeutet das den Verlust von Status, Netzwerk und beruflicher Identität – eine Entwertung, die oft auch psychische Spuren hinterlässt.
Mehr als nur Papierkram
In der AST-Beratung geht es in solchen Fällen um weit mehr als um Zeugnisbewertungen:
Begleitung durch den Anerkennungsprozess: Wir führen strukturiert durch alle notwendigen bürokratischen Schritte.
Unterstützung beim Nachholen von Qualifizierungen: Wir zeigen Wege auf, wie fehlende Inhalte ergänzt werden können.
Information zu beruflichen Alternativen: Wir eröffnen Perspektiven jenseits der reglementierten Berufe.
Rückhalt in Phasen der Neuorientierung: Wir bieten Rückhalt und Begleitung in dieser herausfordernden Zeit.
Rechtliche Information und Impulse zur Jobsuche: Wir geben rechtliche Sicherheit und praktische Tipps für den Arbeitsmarkt.
Die Bilanz 2025 unterstreicht: Wer Fachkräfte für Tirol und Vorarlberg gewinnen will, darf sie nicht in der Sackgasse der Nicht-Anerkennung stehen lassen.
Neuer Flyer zur AST-Beratung
Möchten Sie mehr über das AST-Angebot erfahren? Ab sofort steht Ihnen unser neuer Flyer zur Verfügung. Sie können ihn hier herunterladen oder Exemplare direkt bei uns im Büro anfordern unter: office@zemit.at
Interesse an unserer Arbeit? Regionaler Beratungsbedarf (ab 4 Personen)?
Wir kommen gerne zu Ihnen! Melden Sie sich unter: stojakovic@zemit.at