Die arbeitsmarktpolitische und allgemeine Beratung im ZeMIT steht Migrant:innen in Tirol als verlässliche Partnerin in allen rechtlichen, sozialen und persönlichen Belangen zur Seite. Unser Ziel ist es, Menschen in schwierigen Lebenslagen zu stärken, sie über ihre Rechte aufzuklären und gemeinsam mit ihnen Wege aus der Krise zu finden. Ein wesentlicher Teil unserer Arbeit widmet sich dabei der Unterstützung bei der Arbeitsaufnahme und dem Zugang zum Arbeitsmarkt. Dieses Angebot wird vom Arbeitsmarktservice Tirol (AMS) und dem Land Tirol gefördert. Ein Beitrag von Andrea Moser.
Die Zahlen 2025 im Blick
Im vergangenen Jahr verzeichneten wir einen immensen Bedarf an der arbeitsmarktpolitischen und allgemeinen Beratung im ZeMIT. Insgesamt wurden 2.201 Personen beraten, was die unverzichtbare Rolle dieser Einrichtung als soziale Infrastruktur für Migrant:innen in Tirol unterstreicht. Ein Blick auf die Verteilung zeigt eine leichte Mehrheit an beratenen Frauen.
Die Intensität der Begleitung spiegelt sich in der Gesamtzahl der Termine wider: 5.338 Termine wurden im Jahr 2025 absolviert. Besonders hervorzuheben ist dabei der Fokus auf die Arbeitsmarktintegration: 3.487 Termine hatten eine klare arbeitsmarktpolitische Relevanz. Zusätzlich zu den persönlichen Gesprächen leisteten unsere Berater:innen 1.596 telefonische Beratungen, um schnell und niederschwellig Hilfe zu leisten.
Vielfältige und zunehmend komplexe Themen
Ein Blick auf die spezifischen Beratungsleistungen zeigt, wie vielfältig die Anliegen der Menschen sind, die die arbeitsmarktpolitische und allgemeine Beratung im ZeMIT in Anspruch nehmen:
Arbeitsmarkt und Recht: 2.116 Anfragen
Aufenthalt und Status: 1.882 Anfragen
Soziale Sicherheit und Leben: 2.218 Anfragen
Krisen und Frauenspezifisches: 1.377 Anfragen
Zunehmender Druck und gekürzte Finanzierungen
Mirjana Stojakovic, Geschäftsführerin des ZeMIT: „Wir sehen einen anhaltend hohen Bedarf an der arbeitsmarktpolitischen und allgemeinen Beratung im ZeMIT. Die Fragen, mit denen Menschen zu uns kommen, werden zunehmend komplexer. Besonders Frauen stehen oft vor vielschichtigen Herausforderungen. Gleichzeitig sehen wir uns mit gekürzten Finanzierungen konfrontiert. Der soziale Druck ist in der Beratung spürbar, und der finanzielle Druck fordert uns sowohl organisatorisch als auch in der Beratung extrem heraus. Es ist nicht gut, dass hier gespart wird, das wird langfristig teuer.“
Systemische Fallen und individuelle Schicksale: Einblicke in die Praxis
Was diese Zahlen in der Realität bedeuten, zeigen die folgenden drei Fallbeispiele:
Fallbeispiel 1: Die Falle der Abhängigkeit Eine Frau wird nach ihrer Heirat aus Mexiko nach Österreich geholt. Doch die vermeintliche Sicherheit entpuppt sich als Albtraum. Ihr Ehemann vertröstet sie immer wieder bezüglich des Aufenthaltstitels, und auch die zwei in Österreich geborenen Kinder erhalten keine Papiere. Dank der Unterstützung von ZeMIT und anderen Einrichtungen konnte sie einen Weg aus dieser Notlage finden. Mittlerweile hat sie einen geregelten Aufenthalt, Deutsch gelernt, sowie eine fixe Anstellung und eine eigene Wohnung gefunden.
Fallbeispiel 2: Das Integrations-Dilemma Ein Mann aus Burkina Faso kommt durch Familienzusammenführung nach Österreich und findet schnell eine Anstellung im Drei-Schicht-Betrieb. Nach zwei Jahren muss er für die Verlängerung seines Aufenthaltstitels das A2-Niveau nachweisen. Die Schichtarbeit verhindert jedoch den Besuch von Deutschkursen, und der Arbeitgeber droht mit Kündigung, wenn die Schichtzeiten geändert werden. Die Behörde verweigert die Aushändigung des Aufenthaltstitels ohne A2-Nachweis. Eine paradoxe Situation: Er kann nicht kündigen, sich nicht neu bewerben (kein Aufenthaltstitel) und die Familie verliert Sozialleistungen.
Fallbeispiel 3: Unglückliche Umstände und digitale Hürden Ein alleinstehender älterer Mann aus dem ehemaligen Jugoslawien, der eine Alterspension bezieht, wird seit Juli 2025 bei der Online-Bewerbung für eine Stadtwohnung in Innsbruck unterstützt. Er ist mit der digitalen Antragstellung nicht vertraut und hat keine ausreichenden Deutschkenntnisse, um sich alleine zurechtzufinden. Dank der Intervention durch das ZeMIT konnte ein ungerechtfertigter Punkteabzug rückgängig gemacht werden, und der Mann hat nun wieder eine realistische Chance auf eine Wohnung.
Neuer Flyer zur arbeitsmarktpolitischen und allgemeinen Beratung im ZeMIT
Möchten Sie mehr über unser Beratungsangebot erfahren?
Ab sofort steht Ihnen unser neuer, mehrsprachiger Flyer zur arbeitsmarktpolitischen und allgemeinen Beratung im ZeMIT zur Verfügung. Sie können ihn hier herunterladen oder Exemplare direkt bei uns im Büro anfordern unter: office@zemit.at
Interesse an unserer Arbeit? Regionaler Beratungsbedarf (ab 4 Personen)?
Wir kommen gerne zu Ihnen! Melden Sie sich unter: stojakovic@zemit.at