Wie entstehen historische Quellen? Wer entscheidet, welche Geschichten dokumentiert werden? Und welche Rolle spielen Biografien, Machtverhältnisse und gesellschaftliche Zugehörigkeit in der historischen Forschung?
Mit diesen Fragen beschäftigen sich Studierende des Seminars „Intersektionalität und Machtverhältnisse: Biografien, Differenz und Zugehörigkeit“ von Flavia Guerrini im Sommersemester 2026 im Rahmen einer Kooperation mit dem Dokumentationsarchiv Migration Tirol.
Das DAM, angesiedelt bei ZeMIT – Zentrum Migration Integration Teilhabe gGmbH, sammelt, erschließt und archiviert Migrationsgeschichte(n) nach wissenschaftlichen Kriterien und macht diese für Forschung, Bildung und Öffentlichkeit zugänglich. Im Fokus stehen Migrations- und Fluchtbewegungen nach Österreich seit 1945 sowie ihre vielfältigen biografischen, sozialen und gesellschaftlichen Dimensionen.
Im Rahmen der Kooperation erhalten die Studierenden unbearbeitete Interviewquellen aus dem Archiv, analysieren und bearbeiten diese im wissenschaftlichen Kontext und führen die aufbereiteten Materialien anschließend wieder dem digitalen Archivbestand zu. So entsteht ein produktiver Austausch zwischen universitärer Lehre, Forschung und dokumentarischer Praxis.
Der erste Besuch im Archiv hat bei vielen Studierenden nachhaltige fachliche Reflexionen ausgelöst:
„Ich nehme mit, dass es keine Geschichte gibt, die es nicht wert ist, gehört und aufbewahrt zu werden.“
„Mich hat weiter beschäftigt, welche Geschichten sichtbar werden – und welche möglicherweise unsichtbar bleiben.“
„Ich nehme mit, dass ich die Archivarbeit als äußerst wichtig empfinde in einer Gesellschaft der Vielfalt.“
Viele Rückmeldungen thematisierten die wissenschaftliche Verantwortung im Umgang mit biografischen Quellen, Fragen von Repräsentation und Sichtbarkeit sowie die oft unsichtbare Arbeit, die hinter dokumentarischer Forschung steht.
Die Ergebnisse der studentischen Arbeiten werden in den kommenden Monaten schrittweise in das Online-Archiv des DAM integriert und tragen dazu bei, Tiroler Migrationsgeschichte weiter wissenschaftlich aufzuarbeiten und öffentlich zugänglich zu machen.