Nachdem im Juni/Juli 2010 die Fussball-Weltmeisterschaft zum ersten Mal am afrikanischen Kontinent ausgetragen wurde, stieg (kurzfristig) auch das mediale Interesse an einem Erdteil, der über 1 Milliarde Menschen beherbergt. Doch wie ist es um die Situation von "schwarzen" Menschen in Österreich bestellt? Der Jahresbericht 2009 über "Schwarze Menschen in Österreich" des Projekts "Afrikanet.info" versucht auf diese Frage eine Antwort zu geben.
"Wir wollen auf die Probleme Schwarzer Menschen in Österreich aufmerksam machen, aber trotzdem auch jenseits der Opferrolle wahgenommen werden. Die folgenden Seiten zeigen zwar eine von Rassismus betroffene, aber auch eine äußerst dynamische Community, die die österreichische Gesellschaft in vielerlei Hinsicht bereichert. Diese dynamische Community ist in Österreich zu Hause und möchte gemeinsam mit Österreichern dieses Land gestalten" schreiben die HerausgeberInnen im Vorwort.
Neben einem demographischen Beitrag über die Bevölkerung mit afrikanischer Herkunft in Österreich, fügen sich Beiträge über Inklusions- und Exklusionsmechanismen, den "Anti-Schwarze-Rassismus" und die Formen der Selbstorganisierung einer wachsenden, heterogenen Community zu einem 62 Seiten starken Bericht zusammen. In einer Kurzzusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse des Berichts lassen sich auch die Widersprüche zwischen ökonomischen und rechtlich-politischer Praxen erkennen. Ohne Investitionen von NigerianerInnen in die Vorarlberger Textilindustrie in der Höhe von 50 bis 80 Millionen Euro könnte dieser Industriezweig im "Ländle" nicht mehr fortbestehen.
Andererseits stehen aufgrund der restriktiven Migrations- und Asylpolitik rund 1.000 Menschen aus Nigeria vor der Abschiebung aus Österreich. Auch im elften Jahr nach der fahrlässigen Tötung von Marcus Omofuma durch zwei Fremdenpolizisten sind rassistische Stereotypen gegenüber afrikanischen Mitmenschen medial, politisch und alltagskulturell in erhöhtem Ausmaß wahrnehmbar. Umso positiver ist es zu vermerken, dass nun eine fundierte, von "Betroffenen" formulierte Publikation zu der Situation von schwarzen Menschen vorliegt, die einerseits Rassismus thematisiert, andererseits für ein neues Selbstbewusstein der handelnden Personen und der "afrikanischen" Community steht.